Möbius-Anschlag – zwei Methoden im Vergleich

Wer zum ersten Mal einen Möbiusschal sieht, fragt sich oft: Warum ist der eigentlich verdreht? Genau diese besondere Drehung macht den Unterschied zu einem klassischen Loop aus. Sie entsteht nicht erst beim Tragen, sondern bereits beim Anschlag. Dafür gibt es verschiedene Methoden, die alle zum gleichen Ziel führen. In diesem Beitrag stelle ich zwei Varianten vor und zeige Schritt für Schritt, wie sie funktionieren.

Als ich meinen ersten Möbiusschal gestrickt habe, hat mich genau diese besondere Form fasziniert. Anders als bei einem klassischen Loop entsteht die Drehung nicht erst beim Schließen der Runde, sondern bereits beim Anschlag. Das klingt zunächst kompliziert, ist mit der richtigen Technik jedoch gut nachvollziehbar.

Im Laufe der Zeit habe ich zwei verschiedene Anschlagmethoden ausprobiert. Beide führen zu einem Möbius, unterscheiden sich jedoch in ihrer Ausführung. Welche Methode man bevorzugt, ist letztlich Geschmacksache. Deshalb möchte ich in diesem Beitrag beide Varianten Schritt für Schritt vorstellen.

Für beide Anschlagmethoden benötigst du eine Rundstricknadel.

Ich empfehle eine Rundstricknadel mit einer Seillänge von etwa 100 bis 120 cm. Das lange Seil bietet genügend Platz für die Maschen und erleichtert den Möbius-Anschlag erheblich.

Für meine beiden Möbiusschals „Loputon“ und „Sans Fin“ habe ich eine Rundstricknadel mit 120 cm Seillänge verwendet.

Woher hat der Möbiusanschlag eigentlich seinen Namen?

Der Name geht auf den deutschen Mathematiker August Ferdinand Möbius zurück. Er beschrieb im 19. Jahrhundert das nach ihm benannte Möbiusband – eine Fläche mit nur einer Seite und einer Kante. Genau dieses Prinzip findet sich auch beim Möbiusschal wieder: Durch die besondere Drehung entsteht seine charakteristische Form.

Variante 1: Maschenanschlag über das Seil der Rundstricknadel

Bei dieser Variante werden die Maschen direkt über das Seil der Rundstricknadel angeschlagen. Nach der Anfangsschlinge entstehen die Maschen abwechselnd oberhalb und unterhalb des Seils. Anschließend werden die oberen und unteren Maschen abgestrickt.

Die Rundstricknadel wie auf dem Foto zurechtlegen. Wichtig ist, dass sich die Schlaufe des Seils zwischen den beiden Nadelspitzen befindet.

Eine Anfangsschlinge bilden und auf die rechte Nadelspitze schieben.

Mit der rechten Nadelspitze unter dem Seil hindurch durchgehen…

… und den Faden holen. Es befinden sich nun zwei Maschen auf der Nadel: Die Anfangsschlinge und die erste, soeben gebildete Schlaufe.

Den Faden von vorne nach hinten über die rechte Nadel legen. Danach, wie zuvor beschrieben, unter dem Seil hindurchgehen und den Faden holen. Diese beiden Schritte wiederholen, bis alle benötigten Maschen angeschlagen sind.

Die Maschen gleichmäßig auf dem Seil verteilen. Anfangs fühlt sich der Anschlag noch etwas straff an. Nach der ersten vollständig gestrickten Runde legt sich dies jedoch von selbst.

Damit später gut erkennbar ist, wann eine komplette Runde gestrickt wurde, wird ein Maschenmarkierer auf die rechte Nadel gesteckt.

Jetzt beginnt das Abstricken der angeschlagenen Maschen. Dabei wird jede Masche verschränkt abgestrickt. Dadurch entstehen in der ersten Runde keine Löcher.

Die Hälfte der ersten Runde ist erreicht, sobald sich der Maschenmarkierer auf dem unteren Seil befindet. Gleichzeitig zeigt dies, dass der Anschlag korrekt ausgeführt wurde, denn der Maschenmarkierer lässt sich nun nicht mehr einfach von der Nadel abnehmen.

Nun werden die Maschen auf der Gegenseite abgestrickt – eine Besonderheit des Möbiusloops. Dabei genauso vorgehen wie bei den vorherigen Maschen.

Die Runde ist komplett gestrickt, wenn der Maschenmarkierer erreicht ist.

Den Maschenmarkierer nun von der linken auf die rechte Nadel heben und anschließend nach Anleitung oder im gewählten Muster weiterstricken.

Schon nach wenigen gestrickten Runden ist die charakteristische Drehung gut zu erkennen, die durch diesen besonderen Maschenanschlag ganz automatisch entsteht.

Variante 2: Maschenanschlag über beide Nadelspitzen

Bei der zweiten Anschlagmethode werden die Maschen zunächst über beide Nadelspitzen angeschlagen. Das Seil der Rundstricknadel spielt dabei zunächst keine Rolle und kommt erst nach dem vollständigen Anschlag zum Einsatz. Der Ablauf unterscheidet sich dadurch deutlich von Variante 1, führt aber ebenso zu einem echten Möbius-Anschlag.

Die benötigte Maschenzahl wird mit zwei Nadelspitzen im Kreuzanschlag angeschlagen.

Wichtig ist, darauf zu achten, dass beim Weiterschieben der Maschen diese nicht über das Ende des Seils hinausgeschoben werden.

Eine Nadelspitze vorsichtig herausziehen und die Rundstricknadel – wie bereits bei Variante 1 – so zurechtlegen, dass sich zwischen den beiden Nadelspitzen eine Schlaufe befindet.

Alle Maschen in Richtung der rechten Nadelspitze schieben.

Nun werden die Maschen der Gegenseite aufgenommen. Dazu mit der rechten Nadelspitze zwischen der ersten und zweiten Masche einstechen …

… und den Faden holen.

Im nächsten Schritt zwischen der zweiten und dritten Masche einstechen und erneut den Faden holen. Diesen Vorgang zwischen allen weiteren Maschen wiederholen. Dadurch entsteht zwischen jeder Masche eine neue Masche. Nach der letzten Anschlagsmasche wird keine zusätzliche Masche mehr gebildet.

Beim Betrachten der Nadel sind nun die beiden Seiten zu erkennen, die für den Möbiusloop typisch sind.

Wie bereits bei Variante 1 einen Maschenmarkierer auf die rechte Nadelspitze stecken und alle Maschen verschränkt abstricken. Dadurch entstehen auch hier keine Löcher in der Anschlagsrunde.

Wie bereits bei Variante 1 befindet sich der Maschenmarkierer nach der halben Runde auf dem unteren Seil. Er lässt sich in diesem Moment noch nicht entfernen.

Sobald die erste Runde vollständig gestrickt und der Maschenmarkierer wieder erreicht ist, wird dieser von der linken auf die rechte Nadelspitze gehoben. Anschließend kann nach Anleitung oder im gewünschten Muster weitergestrickt werden.

Nach einigen gestrickten Runden wird die typische Möbiusdrehung sichtbar. Im rechten Bereich des Fotos ist sie gut zu erkennen.

Mein Fazit:

Beide Methoden führen zum gleichen Ergebnis – einem Möbius-Anschlag. Sie unterscheiden sich jedoch im Ablauf. Während bei Variante 1 das Seil der Rundstricknadel von Beginn an Bestandteil des Anschlags ist, kommt es bei Variante 2 erst nach dem vollständigen Anschlagen der Maschen zum Einsatz. Welche Methode angenehmer ist, hängt letztlich von den persönlichen Vorlieben ab.

Zwei Beispiele aus der Praxis:

Die beiden vorgestellten Anschlagmethoden habe ich auch bei meinen eigenen Möbiusschals verwendet. So kamen im Laufe der Zeit die Modelle „Loputon“ und „Sans Fin“ mit ihren jeweils unterschiedlichen Anschlagvarianten zustande.

Für den Möbiusschal „Loputon“ kam Anschlagmethode 1 zum Einsatz.
Beim Möbiusschal Sans Fin habe ich Anschlagmethode 2 verwendet.

Die ausführliche Anleitung zu den beiden Schals, mit Materialangaben, Musterbeschreibung und Schritt-für-Schritt-Erklärung, findest du auf Crazypatterns:

Möbiusschal „Loputon“: https://www.crazypatterns.net/de/items/98632/strickanleitung-moebiusschal-loputon

Möbiusschal „Sans Fin“: https://www.crazypatterns.net/de/items/98631/strickanleitung-moebiusschal-sans-fin

Ich wünsche dir viel Freude beim Ausprobieren dieser besonderen Anschlagtechnik und viel Spaß beim Stricken deines eigenen Möbiusschals.

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